Samstag, 24. Mai 2008

Credit Points

Nicht sehr überraschend fiel mein akademischer Erfolg in Paris eher gering aus. Kein bisschen so, wie ich gedacht hatte. Ich wollte ja eigentlich ein Mal pro Woche in der ehrwürdigen Bibliothèque Nationale sitzen und große Werke von Descartes, Deleuze und Derrida wälzen. Stattdessen hing ich ständig in meiner mehr als hässlichen Uni rum und durfte mir Theorien von Freud, Marx und Nietzsche anhören. Und dann noch anhören, warum wir die denn nicht auch so großartig fänden, das seien doch schließlich Deutsche. So mehr oder weniger zumindest.
Das Ergebnis nach einem Semester Paris also:
1. Ein voll geschriebener Block mit ungefähr 1234567890 Schreibfehlern. Besonders in den ersten Wochen wurde oft das genaue Gegenteil des Gesagten notiert. Für sowas gibts aber leider: keine Creditpoints
2. Eine Klausur in Esthétique générale. Ziel der Klausur war es, in einem Filmausschnitt möglichst viele Penisse, Muschis und Vergewaltigungsopfer zu finden. Ich habe nicht so viele gefunden, nur ein bisschen Sperma. Dafür bekam ich 11,5 Punkte. Von 20. Ich hab also mit einer 3-4 gerade so bestanden. Leider konnte ich zur zweiten Klausur nicht kommen und ich konnte auch kein Dossier schreiben. Daher: keine Creditpoints
3. Eine Klausur im Sprachkurs. Naja, ich habe 16. In Anbetracht dessen, dass Salvo, der Italiener, der nicht mal weiß, was "14" auf Französisch heißt und wie man "il y a" verwendet, 15 bekommen hat, ist das irgendwie keine sonderlich tolle Note. Ich glaube, er hat mit der Seminarleiterin geschlafen. Leider stand ich ja am Anfang auf keiner der Sprachkurslisten und bin am Ende einfach mit zu Alinas Klausur gegangen. Da ich nicht offiziell angemeldet bin, bekomme ich jetzt auch keine Resultate zugeschickt, also: keine Creditpoints
4. Schließlich haben wir noch eine Klausur in Analyse des films, unserem Lieblingskurs geschrieben. Wir haben wirklich den kompletten Tag davor gelernt, bis Mitternacht. Die erste Ernüchterung war, dass das Ganze ein Multiple Choice Test war und da es bei sowas auf jede Nuance ankommt, ist das für Erasmus-Studenten sehr schwer, die zweite Ernüchterung war, dass wir unser Ergebnis nie erfahren werden. Denn die "nette" Dame, bei der wir ja damals auch schon unsere Stundenpläne gemacht haben, hat sich einfach so geweigert, diesen Kurs noch mit auf unseren Zettel zu nehmen. Das hätten wir schließlich am Anfang des Jahres machen müssen. "Ja, aber genau weil dies Anfang des Jahres vergessen wurde, und wir das jetzt überprüfen sollen, kommen wir ja, um es nachzutragen." "Nein", keifte sie. "Aber dann haben wir doch alles umsonst gemacht und bekommen keine Credit Points." "Ja, genau das haben Sie verdient und ich wünsche Ihnen, dass Sie nun keine Credit Points bekommen." Daher: keine Credit Points.
Es war die Parallelszene zu Anfang des Jahres. Nur, dass ich mich verändert habe, in Paris. Und wenn ich eins jetzt besser kann als vorher, dann mit keifenden Pariserinnen in der Midlife Crisis umgehen. Ich hatte diesmal keine Tränen in den Augen, habe nicht rumgestammelt, sondern habe nur gesagt, dass sie kein netter Mensch sei und bin rausgegangen.
Vielleicht ist das ja mehr als Credit Points.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schöner Eintrag. Bei Punkt 2 musste ich sehr laut lachen.