Montag, 21. April 2008

Wohnungssuche in Paris

Hätte man nicht vermutet, dass es noch dazu kommt. Schließlich bin ich eine der besten Sich-mit-jemandem-Arrangierer von Paris, finde ich. Trotzdem gab es einen Anlass, der dazu führte, dass die Vermieter es für angebracht hielten, mich rauszuschmeißen. Ja mich, die nette Nadine :o). Naja, im Nachhinein kann ich es jetzt natürlich schon verstehen. Ist wirklich eine Unverschämtheit, was ich da gemacht habe. Staubsaugen mitten am Tag in meinem Zimmer! Wer würde sowas schon akzeptieren?
Ich hab sogar noch vorgeschlagen, dass ich fünf Minuten staubsauge und dann wieder ruhig bin (um 14 Uhr!!) und Odile war einverstanden. Das fand ich eigentlich nett genug von mir, aber dann hat sie mich angemotzt, als ich den Staubsauger weggeräumt habe. Weiß ich nicht, wie man das geräuschlos hinkriegen soll. Ich wurde auch sauer. Sie keift mich an, weil sie Schiss hat, dass ihr Enkelkind aufwacht. Tja, es stand nicht im Vertrag, dass hier ständig ein Baby anwesend sein würde. Und es ist anspruchsvoll genug, dass man nachts nicht auf Toilette gehen darf. Naja, da habe ich die Tür nicht geräuschlos wie sonst zugemacht, auch nicht gerade zugeknallt, aber ich habe mir keine Mühe gegeben, geb ich zu. Da ist sie in mein Zimmer gestürmt und hat mich rausgeschmissen, Ende des Monats. Ich bin dann total ausgeflippt, bin schnurstracks zum Vermieter gerannt und dann gab es ein Riesengeschrei. Michael und Alina sind auch gekommen, um mir zu helfen, aber eigentlich war ich so aufgebracht, dass ich mich selber eh schon ganz gut verteidigen konnte. Ich hab zum ersten Mal die Vermieter unterbrochen und nicht umgekehrt!
Dann bin ich sofort meinen Koffer packen gegangen.
Naja, nach einiger Abkühlung und nachdem der Vermieter sich auch für seine Frau entschuldigt hat, hab ich beschlossen, noch bis Freitag hier zu bleiben, da wir dann sowieso Tickets nach Köln haben. Und seitdem sind Alina und ich auf Wohnungssuche. Alina ist nämlich auch mit den Nerven am Ende mit denen. Wir haben schon eine Wohnung angeguckt, bei einem Araber, glauben wir, wir haben vergessen zu fragen. Stattdessen haben wir uns bereits die ganze Hinfahrt verrückt gemacht, weil er uns bestimmt nur kidnappen oder während der Wohnungsbesichtigung vergewaltigen will. Aber er kam eigentlich ziemlich sympathisch rüber, etwas hyperaktiv. Und so hat er uns direkt überzeugt, mit ihm eine Radtour durch Paris zu machen. Eineinhalb Stunden. War auch gut für unsere knackigen Hintern!
Eigentlich war dann alles unter Dach und Fach, bis wir abends plötzlich eine EMail von ihm erhielten, in der er etwas merkwürdig formulierte, dass er ungeduldig sei, mich wiederzusehen. Alina fand, das war meine Schuld, weil ich nett zu ihm gewesen sei und mich beim Fahrradfahren anschubsen lassen habe. Toll, es war voll steil. Das war mir zu anstrengend.
Naja, danach dachten wir wieder den ganzen Abend, dass er uns vergewaltigen und umbringen will. Dann gabs wieder Motze von Odile und Christian, weil wir angeblich wieder irgendeinen Wasserhahn kaputt gemacht hätten.
Da dachten wir, dass die Pariser einfach alle scheiße sind.
Und seitdem überlegen wir, wo wir jetzt wohnen sollen, wenn wir im Mai zurückkommen: Bei den Vermietern, die uns hassen und neuerdings nicht mal mehr "Bonjour" sagen, bei dem Vergewaltiger oder vielleicht doch am besten bei den Clochards unter den schönen Brücken von Paris.

Mittwoch, 16. April 2008

Und Eisenstein lacht.

Wir haben in Paris die Möglichkeit etwas zu tun, was sich bestimmt jedes Mädchen, das zumindest ein bisschen Sinn für Romantik hat, wünscht. Nicht mit Brad "das Brett" Pitt auf dem Eiffelturm dem Sonnenuntergang entgegenblicken, sondern natürlich den Weg aus "Before Sunset" nachlaufen. Das ist die Fortsetzung von dem Film "Before Sunrise" mit Ethan Hawke und Julie Delpy mit Ethan Hawke und Julie Delpy (schon wieder), den fast niemand kennt. Wer ihn aber kennt, findet ihn gut. Warum? Weil man ihn damals gut fand, als man ihn das erste Mal gesehen hat. Damals, ist ja auch schon 11 Jahre her mittlerweile, kam man sich voll tiefgründig vor, heute merkt man, dass die gar nicht so philosophisch sind wie Adorno and Friends. Naja, vielleicht ist das auch nur bei mir so.
Den Weg aus der Fortsetzung kann man jedenfalls in Paris nachgehen. Denn "Before Sunset" spielt in Paris und man hat das Gefühl, dass alles in Echtzeit sei. Das Café haben wir im Internet gefunden, von dort wollten wir dann anfangen, denn ziemlich sicher musste sich der Rest des Films im nahen Umkreis dieses Cafés befinden. ("Die sind ja immer höchstens 5 Minuten gegangen.") Soviel also zum Thema Montage und Unsichtbare Schnitte. Leider haben wir irgendwie gar nichts gefunden. Nur das Café, vielleicht die Kirche (eher nicht) und vielleicht einen Teil des Parks (eher nicht).

Montag, 14. April 2008

Palmen auf der Seine

Schiff fahren oder auch fliegen, wie wohl Alina, die den Unterschied noch nicht so ganz realisiert hat, sagen würde, macht Spaß. Vor allem auf der Seine, vor allem auf einem Schiff mit lauter Palmen und vor allem, wenn man nebenbei die ganze Zeit umsonst Orangina trinken darf, denn Orangina ist meine Lieblingsfanta. Obwohl die Anzeige zu der Schifffahrt in der Direct Matin stand und somit 10 millions de lecteurs erreicht haben müsste, sind meine Mitbewohner und ich mit einer Stunde warten auf die zweite Fahrt gekommen. Und es hat erst am Ende der Rückfahrt angefangen zu regnen! Das ist hier schon fortschrittlich.
Nach der Schifffahrt mussten wir dann direkt zur Happy Hour. Die Franzosen haben da nämlich was verwechselt. Man muss sich abends zuerst betrinken, denn Cocktails für 4, 50 gibts nur zwischen 17 und 21 Uhr. Man läuft dann also um halb8 verplant durch die Gegend und weiß nicht, was man tun soll. Es ist nämlich erst halb8! Man könnte sich ja zu den kleinen Punkkids an der Bastille gesellen, aber als alte Nicht-Tokio-Hotel-Fans haben wir uns dann doch entschlossen, nach Hause zu fahren und was Mexikanisches zu kochen, wir sind nämlich voll internäschonell.

Montag, 7. April 2008

Deutsch-französischer Krieg

Großer Streit. Es hat uns ja schon eine Weile gestört, dass wir nach 10 nur wie Mäuse durchs Haus schleichen dürfen, aber wir haben das halt gemacht, damit es keinen Ärger gibt und immerhin wohnen wir hier ja für die Hälfte der normalen Pariser Miete. Jungs kriegen sowas aber nicht hin, wie Mäuse durchs Haus zu schleichen. Und deswegen ist Michael, unser Mitbewohner, schon eine Weile im Kreuzfeuer alltäglicher Ermahungen. Wir sind auch manchmal auf Michael sauer, weil er sich natürlich nicht an den Putzplan hält, uns fragt, ob wir mit ihm in "Jumper" gehen wollen, und die Kopien von Monsieur Tomis Stadtführung in den Müll schmeißen will. (Echt ein Klischeejunge.) Aber Odile toppt alles. Denn sie ist sogar sauer auf Michael, wenn er einen Fleck auf die Stuhlunterlage macht, wenn er zu laut hustet oder nachts aufs Klo geht.
Na gut, Zivilcourage hin und her, bisher haben wir dazu nicht viel gesagt. Aber jetzt reichte es mal, nachdem in der vergangenen Woche die Vermieter weg waren, stattdessen aber ihre Tochter mit ihren beiden Babys das Haus besetzte. Denn obwohl in der Woche ständiges Babygeschrei, Krabbelgruppentreff und Party unseren Alltag begleitete, waren wir nett. Sie haben sogar unsere Kartoffeln weggegessen! Aber Kinder mögen wir ja. Also haben wir einfach mal nichts gesagt.
Und was war in der ersten Nacht, in der die Vermieter wieder da waren? Geschrei der Vermieterin in der Nacht, nur weil jemand auf Toilette ging. Eigentlich war ein gemeinsames Gespräch eine gute Idee! Leider eskalierte es völlig. Und das, ohne dass Michael oder ich einen Satz aussprechen konnten. Wir wurden nämlich direkt mal als Enkelkinderhasser, ungebildet und dickköpfig beschuldigt. Typisch deutsch eben. Und das sei ja schon lange klar, sähe man schließlich am 1. und 2. Weltkrieg.
Nicht zu fassen! Deutsche im eigenen Haus wohnen lassen, wenn es dann aber hart auf hart kommt, besser noch mal den latenten Hass rauskramen. Jaja, am besten wir fangen jetzt noch mit dem deutsch-französischen Krieg an, meinte ich.
Die Tochter hatte natürlich auch noch gelogen wie gedruckt. Wir wären nachts so laut gewesen, dass die Babys ständig aufgewacht wären. Und die Flecken in der Küche seien von uns, denn die Babys hätten gar nicht in der Küche gegessen. Klar, 20jährige machen meistens beim Essen 5 Quadratzentimeter große Schokoflecken auf ihre Stühle.
Es ist jetzt schon ein paar Tage her. Odile hat aber seitdem nicht mehr mit uns geredet. Warum, frage ich mich. Sie weiß nicht mal, was wir sagen wollten. Aber ich glaube, 50 jährige Französinnen sind einfach grauselig.